Heinrich Wipper: Wandern auf dem Französischen Jakobsweg

Via Podiensis. Ostfildern, DuMont Reiseverlag, 2008, 168 S., ISBN 978-3-7701-8009-7 (beim Verlag vergriffen, aber im Online-Buchhandel wie Amazon für wenige Euro immer noch erhältlich)

 

In Frankreich bildeten sich im Mittelalter vier große Jakobswege zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela heraus, die schon im „Liber Sancti Jacobi“, einer Handschrift des 12. Jh., beschrieben werden. Die Ausgangspunkte dieser Wege sind die berühmten Heiligtümer des hl. Martin in Tours, der hl. Maria Magdalena in Vézelay, der Gottesmutter Maria in Le Puy und des hl. Ägidius in Saint-Gilles (bei Arles). In der eben erwähnten Handschrift heißt der uns hier interessierende Weg „Via Podiensis“, benannt nach Le Puy (lat. Podium). Die Benediktinerklöster von Conques und Moissac werden als Stationen des Weges von Le Puy zu den Pyrenäen genannt.

Von Natur und Kunst an diesem Weg werden alle Wanderer fasziniert sein. Die Vielfalt des geologischen Untergrundes reicht von den bizarren Gebilden des Vulkanismus im Velay und Aubrac über die Sedimentgesteine der Kalkhochflächen der „Causses“ bis zur Schwemmlandebene der Garonne. Entsprechend vielfältig ist die Pflanzenwelt.

Die Bergländer der Margeride und des Aubrac, beide im französischen Zentralmassiv gelegen, sind wahre Blumenparadiese. Auf den Hügeln im Vorland der Pyrenäen breiten sich fruchtbare Äcker und Weinfelder aus. Die Bergweiden der Pyrenäen ernähren Herden von Schafen, aus deren Milch der schmackhafte Pyrenäen-Schafskäse gewonnen wird.

Von kaum zu überbietender Vielfalt ist die Baukunst an der Via Podiensis. Da sind zunächst die vielen kirchlichen Baudenkmäler wie Kathedralen, Kirchen, Klöster, Kreuzgänge und Kapellen. Sowohl das Tympanon von Conques wie auch das Tympanon und der Kreuzgang von Moissac gehören zum Besten, was romanische Bildhauerkunst hervorgebracht hat. Auf fast jeder Etappe kommt der Wanderer an romanischen Dorfkirchen vorbei. Von den weltlichen Bauwerken werden einige Brücken wie der Pont Valentré von Cahors und die von Bogengängen umgebenen Plätze in den sog. „Bastiden“ in Erinnerung bleiben. Beachtung verdienen auch die ländlichen Häuser, die mit großer Kunstfertigkeit aus dem gerade zur Verfügung stehenden Material errichtet wurden. Und nur der Wanderer bekommt die vielen alten Wegekreuze und Brunnen am Weg zu sehen.

Heinrich Wippers Wegführer hebt sich durch die gründliche kulturgeschichtliche Beschreibung der Sehenswürdigkeiten an der Via Podiensis von den anderen Wanderführern zu dieser Strecke deutlich ab. Der Autor lief im Jahre 1979 als erster Deutscher auf dem französischen Jakobsweg und legte mehr als 50 Publikationen über diesen Weg vor. Wegbeschreibung und Karten seines Buches sind heute zum Teil veraltet, aber der Wegführer ist zusammen mit folgendem jährlich aktualisierten Handbuch immer noch ein guter Wegbegleiter:

 

Clouteau, Lauriane et Jacques: Miam miam dodo. Saint Jacques de Compostelle. GR 65 du Puy-en-Velay à Saint-Jean-Pied-de-Port + la variante du Célé et le chemin de Bonneval. Édition 2016. Les Sables d’Olonne, Les Éditions du Vieux Crayon, 2015, ca. 200 S. (keine Seitenzählung), ISBN 978-2-916446-49-3, www.levieuxcrayon.com und www.cheminducompostelle.com (Das jährlich aktualisierte Handbuch listet alle Unterkünfte, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Apotheken, Postämter, Geldautomaten, Internetzugänge, Taxis usw. an der Via Podiensis von Le Puy bis zu den Pyrenäen auf und gibt dabei auch die Preise für Übernachtung und Essen an. Auf farbigen Kartenskizzen im Maßstab 1:37.500 sind sowohl die aktuelle Wegführung wie auch die Lage aller Unterkünfte angegeben. Das Buch enthält aber keine Erklärungen der Sehenswürdigkeiten am Weg. Man erhält dieses Standardwerk auch im deutschen Online-Buchhandel für ca. 20 Euro.)

 

 

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