II) Jakobsweg von Le Puy nach Roncesvalles (Via Podiensis)

WegfĂŒhrung

In Le Puy beginnt die "Via podiensis", einer der vier klassischen französischen Jakobswege zu den PyrenĂ€en. Dieser Jakobsweg bezieht seinen Namen von Le Puy (lat. Podium). Nach dem Liber Sancti Jacobi (auch Codex Calixtinus genannt), einer alten Handschrift des 12. Jh. ĂŒber die Jakobsverehrung, wurde dieser Weg von den Deutschen bevorzugt.

Le Puy verdankt seine Entstehung der Ă€ltesten Marienerscheinung Frankreichs. Im ganzen SĂŒden war das Bildnis der "Schwarzen Madonna von Le Puy" in der romanischen Marien-Kathedrale hochberĂŒhmt. Von Le Puy inmitten des französischen Zentralmassivs fĂŒhrt der Jakobsweg zunĂ€chst zum Pass von Aubrac im gleichnamigen Bergland. Hier wurde zum Schutz der Pilger im 12. Jahrhundert ein einzigartiges Herbergskloster gegrĂŒndet. Von Aubrac steigt der Wanderer hinunter ins Tal des Lot, einem der großen FlĂŒsse des Landes, der bei Estaing ĂŒberschritten wird. Jedes Jahr lĂ€sst dieses StĂ€dtchen seine ruhmreiche Vergangenheit in einer historischen Prozession wieder aufleben.

Dann geht es weiter zur ehemaligen Benediktinerkirche der hl. Fides von Conques. Ihr berĂŒhmtes Weltgerichtsportal setzt den Besucher noch heute in Erstaunen. In Figeac unternehmen manche Pilger einen Abstecher zum beliebtesten Marienwallfahrtsort des mittelalterlichen Frankreich, zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Rocamadour. Man trifft sich wieder in Cahors, einem der bedeutendsten HandelsplĂ€tze Frankreichs im Mittelalter. Vom Reichtum der Stadt zeugen noch heute die prĂ€chtige Kathedrale und eine mĂ€chtige FestungsbrĂŒcke ĂŒber den Lot, der "Pont-ValentrĂ©". Von Cahors im Tal des Lot steigt der Pilger wieder auf die KalkhochflĂ€che der „Causses“. Dann fĂ€llt der Weg sanft ins breite und fruchtbare Tal der Garonne ab.

Dort liegt Moissac, nach Conques ein weiterer Höhepunkt der Kunst an der „Via podiensis“. Nach der Legende wurde das Kloster von Moissac im Jahre 506 vom Frankenkönig Chlodwig I. (466/67-511) gegrĂŒndet. SpĂ€ter förderte es Kaiser Ludwig der Fromme (778-840), der Sohn Karls des Großen. Im "goldenen Zeitalter" entstanden der Kreuzgang (um 1100) und das SĂŒdportal (um 1120). Beide gehören zum Schönsten, was romanische Bildhauerkunst hervorgebracht hat.

Nach Überschreitung der Garonne beginnt der Weg durch die Gascogne, vorbei an den ehemaligen BischofsstĂ€dten Lectoure, Condom, Eauze und Aire-sur-l'Adour. In Saint-Jean-Pied-de-Port, einer quicklebendigen Stadt am Fuß der PyrenĂ€en kann der Pilger sich ausruhen, bevor er das Gebirge am legendĂ€ren Pass von Roncesvalles ĂŒberquert.

Markierung: Der Jakobsweg von Le Puy bis zu den PyrenĂ€en ist als französischer Fernwanderweg mit weiß-roten Wanderzeichen markiert.

Itinerar

1          Le Puy → Saint-Privat-d'Allier (23,5 km)
2          Saint-Privat
→ Saugues (20 km)
3          Saugues
→ Saint-Alban-sur-Limagnole (32,5 km)
4          Saint-Alban
→ Aumont-Aubrac (14,5 km)
5          Aumont-Aubrac
→ Nasbinals (27,5 km)
6          Nasbinals
→ Saint-ChĂ©ly-d'Aubrac (17 km)
7          Saint-ChĂ©ly
→ Espalion (22 km)
8          Espalion
→ Golinhac (28 km)
9          Golinhac
→ Conques (21 km)
10        Conques
→ Livinhac-le-Haut (24 km)
11        Livinhac-le-Haut
→ Figeac (25 km)
12        Figeac
→ Cajarc (30 km)
13        Cajarc
→ Varaire (24,5 km)
14        Varaire
→ Cahors (31,5 km)
15        Cahors
→ Lascabanes (23 km)
16        Lascabanes
→ Lauzerte (23 km)
17        Lauzerte
→ Moissac (28 km)
18        Moissac
→ Saint-Antoine (29,5 km)
19        Saint-Antoine
→ Lectoure (23,5 km)
20        Lectoure
→ Condom (35 km)
21        Condom
→ Éauze (33 km)
22        Ă‰auze
→ Nogaro (20 km)
23        Nogaro
→ Aire-sur-l'Adour (30 km)
24        Aire-sur-l'Adour
→ Arzacq-Arraziguet (33,5 km)
25        Arzacq-Arraziguet
→ Arthez-de-BĂ©arn (29,5 km)
26        Arthez
→ Navarrenx (30,5 km)
27        Navarrenx
→ Aroue (18,5 km)
28        Aroue
→ Ostabat (23 km)
29        Ostabat
→ Saint-Jean-Pied-de-Port (21,5 km)
30        Saint-Jean-Pied-de-Port
→ Roncesvalles (26 km)

WegfĂŒhrer

Wipper, Heinrich: Wandern auf dem Französischen Jakobsweg. Via Podiensis. Ostfildern, DuMont Reiseverlag, 2008, 168 S., 30 farbige Karten und 4 StadtplÀne, ISBN 978-3-7701-8009-7

Wipper, Heinrich: Der Jakobsweg von Figeac durch das CĂ©lĂ©-Tal nach Cahors (Varianten der „Via Podiensis“, Teil 1). In: Die Kalebasse, Nr. 45, Solingen 2009, S. 41-65

Clouteau, Lauriane et Jacques: Miam miam dodo. Le chemin de Saint Jacques de Compostelle. La voie du Puy. Le Puy-en-Velay/Saint-Jean-Pied-de-Port/GR 65. Les Sables d’Olonne, Les Éditions du Vieux Crayon, 2012, ISBN 978-2-916446-33-2, www.levieuxcrayon.com und www.cheminducompostelle.com (listet alle UnterkĂŒnfte, LebensmittelgeschĂ€fte, Restaurants usw. an der Via podiensis auf und gibt dabei auch die Preise fĂŒr Übernachtung und Essen an.)

Pilgerberichte

Aebli, Hans: Santiago Santiago ... Auf dem Jakobsweg zu Fuß durch Frankreich und Spanien. Stuttgart, Klett-Cotta, 1990 (Le Puy-Roncesvalles: S. 15-112)

Reuter, Werner: Ohne Stock - mit Stein. Zu Fuß von Köln nach Santiago de Compostela. Solingen 2011, ISBN 978-3-943304-07-7 (Le Puy-Roncesvalles: S. 104-161)

Rohrbach, Carmen: Muscheln am Weg. Mit einem Esel auf dem Jakobsweg durch Frankreich. MĂŒnchen 2002

Wipper, Heinrich: Von Le Puy nach Conques. Tagebuch einer Pilgerwanderung (6.-17.7.1996). In: Die Kalebasse, Nr. 20, Solingen 1996, S. 15-29

 

Hinweis: „Die Kalebasse“ ist die Zeitschrift der „St. Jakobus-Bruderschaft DĂŒsseldorf“. Ein komplettes Verzeichnis der BeitrĂ€ge findet man im Link „Zeitschrift“ (Hauptmenu).


 

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